Bedeutet das anhaltende Niedrigzinsniveau ein Risiko für den Immobilienkäufer?

Posted on 18. Januar 2022 · By s.ott · In Immobilienkauf

Niedrige Zinsen locken seit Jahren viele Käufer zum Erwerb von Immobilien, die diesen Schritt zu Zeiten deutlich höherer Zinsniveaus möglicherweise nicht in Betracht gezogen hätten. Vor diesem Hintergrund erscheint zumindest eine Warnung vor übereilten Entscheidungen angebracht.

Immer wieder entscheiden sich Erwerber bei der Finanzierung für eine zu kurze Zinsbindungsdauer und eine zu niedrige Tilgungsrate – häufig ohne die Möglichkeit von Sondertilgungen. Der Grund liegt darin, dass Banken in diesen Fällen scheinbar günstigere Zinssätze und niedrigere monatliche Belastungen anbieten.

Am Ende der Zinsbindungszeit verbleibt jedoch regelmäßig eine hohe Restschuld. Sollten die Zinsen bis dahin deutlich gestiegen sein, kann eine Anschlussfinanzierung unter Umständen nur noch mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten erfolgen. Im schlimmsten Fall ist sogar der Verlust der Immobilie nicht auszuschließen.

Auch wenn günstige Erwerbschancen locken, bleibt es daher unabdingbar, die rechtlichen und tatsächlichen Rahmenbedingungen eines Immobilienerwerbs sorgfältig zu prüfen.

Rechtliche und technische Prüfung der Immobilie

Kompetente Makler und Rechtsanwälte leisten wertvolle Unterstützung, insbesondere wenn es darum geht, das Grundbuch zu prüfen, Einsicht in das Baulastenverzeichnis sowie in den Bebauungsplan zu nehmen und mögliche Belastungen durch Nachbarrechte, Rechte Dritter oder kommunale Vorgaben zu erkennen.

Beim Erwerb einer Eigentumswohnung ist zudem zwingend zu klären, ob ausreichende Instandhaltungsrücklagen vorhanden sind. Ebenso sollte Einsicht in die Teilungserklärung sowie in die Protokolle der Eigentümerversammlungen genommen werden, um mögliche anstehende kostenintensive Sanierungsmaßnahmen frühzeitig zu erkennen.

Vorsicht bei Finanzierungsanfragen

Im Umgang mit finanzierenden Banken wird häufig übersehen, dass eine Vielzahl von Kreditanfragen negative Auswirkungen haben kann. Kreditanfragen werden grundsätzlich für ein Jahr gespeichert.

Stellt ein Kaufinteressent innerhalb eines Jahres mehrere Finanzierungsanfragen, werden diese gesammelt und können bei Banken Zweifel an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Interessenten hervorrufen – bis hin zur Ablehnung als Darlehensnehmer.

Daher ist es wichtig, zwischen einer echten Kreditanfrage und einer bloßen Konditionenanfrage zu unterscheiden. Letztere dient lediglich der Information über mögliche Finanzierungskonditionen, wird nicht bonitätswirksam gespeichert und hat keinen Einfluss auf die Bewertung der Kreditwürdigkeit.